Alle FEUERHAND Petroleum Sturm-Laternen / All Feuerhand Storm Lanterns

Nier-Feuerhand Sturmlaternen: 100 Jahre industriegeschichtlicher Abriss

Autor: Dr. D. Bunk, J. Wekenmann

Forschungsstand: Feb. 2015 Änderungen in lila

 

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 History of the Company

(Alle Datierungen beruhen auf empirischen Auswertungen heimatkundlicher Literatur und Firmenunterlagen)

1863  Albert Frank Metallwaren-Fabrikation u. Großhandel München

1878  Die Brüder Hermann und Erst Nier machen sich mit einer Klempnerwerkstatt in Beierfeld, Sachsen, selbstständig und fertigen u. a. Stalllaternen.

1893  Hermann und Ernst Nier gründen auf Veranlassung von Ferdinand  Frank, Sohn von Albert, eine Sturmlaternen-Fabrikation in Beierfeld und produzieren für F. Frank bzw. die Firma Albert Frank Metallwaren

1896  Nier Oel-Fahrrad-Laternen

1898 Albert Frank Metallwaren-Fabrik kauft den Nier’schen Betrieb in Beierfeld, Hermann u. Ernst Nier sind Betriebsleiter bei F. Frank

1902  Erstes Reichspatent von Hermann Nier, Nr.138941 (Kurbelheber).

1901/2 Hermann Nier scheidet bei A. Frank aus und gründet eine eigene Produktion für Sturmlaternen in einem eigenen Haus, Beierfeld, Sa.. Ludwig Hutzler scheidet ebenfalls bei Frank aus und gründet eine eigene Produktion von Blech-Haushaltswaren mit Großhandel

1905 Max Ehmer (Schwiegersohn von Ernst Nier) und Arthur Nier (Sohn von Ernst Nier) gründen einen Fabrik für Fahrradlaternen.

1906 Hermann Niers  Sohn Bruno wird Dpl.-Ing. nach Studium an der Techn. Univ. Dresden. Er wird die treibende Kraft der Laternenentwicklung und der Firma bis zum Ende in Beierfeld 1945. 

1907  Ernst Nier  tritt die Fabrik für Fahrradlaternen und Autoteile NIRONA-Werke Nier & Ehmer ein

1909 - 1917 Bau der verschiedenen Flügel der Nier-Feuerhand Fabrik im Zentrum von Beierfeld, direkt daneben NIRONA-Werke, Beierfeld

1911  Herstellung von Blech-Haushaltswaren, Auto- und Fahrradteilen. Emblem "Schildkröte im Kreis" als Handelsmarke eingetragen

191Feuerhand Wortmarke Warenzeichen (DRWZ)

1914  Frankonia wird Aktien Gesellschaft

1914 - 1918 Alle Laternenhersteller in Beierfeld (Feuerhand, Frankonia, Nirona, Frowo,) stellen ihre Produktion auf Kriegserzeugnisse um. Herman Nier Handgranaten-Produktion

1916  Nier & Ehmer (NIRONA) fertigen die neuen deutschen Stahlhelme M16 sowie Zünderteile und Gasmasken

1918 – 1938 Nier Feuerhand entwickelt sich neben Dietz, USA, zum weltweit grössten Sturmlaternen-Hersteller mit bis zu 12 Mio. Laternen pro Jahr bei einem weltweiten Bedarf von ca. 18 Mio. Die jährlichen Produktionskapazitäten sind bis auf 18 Mio. Laternen ausgelegt. Zahlreiche deutsche und internationale Patente. Laufende Patentstreitigkeiten zwischen Nier, Dietz und anderen Herstellern

1920 Bildmarke Feuerhand im Kreis

1921 Hermann Nier, der Firmengrüder und Vater von Bruno Nier stirbt.

1928 Konkurs Frankonia AG, Beierfeld

1932-1936 Die alten traditionellen Petroleum-Lampen und –Laternenhersteller Kaestner & Toebelmann und Friedrich Stuebgen (Fledermaus-BAT), beide Erfurt, wurden von der Hugo Schneider AG (HASAG), Leipzig, aufgekauft. Die Handelsmarke BAT / Fledermaus wird nach 1945 in der DDR und England verwendet.

1935 -1939 Ständige Patentstreitigkeiten  mit der US-Firma Dietz um die "Baby"- Serie.

1936 am 2. Mai Anmeldung der Wort-/Bildmarke "Feuerhand" (Banner) .

1937 Nier kauft das Frankonia-Gebäude zur Essensträgerherstellung. Nier-Feuerhand ist weltgrösster Laternenhersteller mit 12 Mio verkaufter Laternen pro Jahr, wovon 98% exportiert werden

1937  Auseinandersetzung mit der staatsloyalen Hugo Schneider AG in Leipzig (HASAG) und ihren unlauteren Marktstrategien in Vorderasien

1938  Laternenproduktion auch im Hinblick auf militärische Abnehmer z.B. Nr.75MSKo „ATOM“ Marsch-Sicherungslaterne für Kolonnen im Gehäuse mit Koppel-Halter

1939  Zusammenbruch des internationalen Marktes in Folge des Kriegsbeginns, drastischer Produktionsrückgang auf 4 Mio. Laternen pro Jahr.

1941 Gasmaskenfilter unter dem Firmenkürzel fcc

1943  Keine Laternenproduktion für den zivilen Markt, Kriegsbewirtschaftung, Militärproduktion

1945 Fertigung bis Mai 1945:  Gasmaskenfilter, Essenträger, angebl. Konservendosen, Waffen- und Munitionsteile

1945 ab Juni russische Besetzung des Beierfelder Gebietes und der Firma Hermann Nier ab 11.08. 1945, Oberst Falik, Demontage ab August 1945. Die Maschinen werden nach Charkow, Russland, transportiert.

1946 Keine Laternenproduktion, Rückholung von verliehenen Maschinen

1948 Ernst Bruno Nier, Dipl.-Ing., der Laternenkonstrukteur, wird von den Russen verhaftet. Flucht der Brüder Woldemar und Curt nach West-Deutschland.    Enteignung der Firma Nier o.H.G. in Beierfeld. Der VEB Metall-Waren (MEWA) übernimmt die  alten Nier’schen Gebäude (Fabriken und Privathäuser) und plant die  Laternenproduktion nach originalen Konstruktionszeichnungen für die Märkte der Vorkriegszeit.

1949  23. Dez. Hermann Nier, KG in Hohenlockstedt gegründet, Rechtsform oHG, die Produktion beginnt mit einer neu konstruierten  Nr.275 und Nr.276.

1950  Einigung Nier und MEWA: Die Handelsmarke ‚Feuerhand’ wird nicht von der MEWA verwendet. Die MEWA produziert unter der Handelsmarke BAT-Fledermaus der ehemaligen Firma Friedrich Stuebgen, Erfurt. Alle BAT-Laternen  entsprechen konstruktiv den Vorkriegs-Feuerhand-Modellen. 1990 an die Tschechische MEVA verkauft, welche 2006 die Laternenherstellung aufgibt.

1950 Ernst Bruno Nier verstirbt in Bautzen.

1953 Nier gewinnt den Patentstreit um die Brennerkonstruktion mit der Firma Aenne Sartorius, Wuppertal, vergl. die ASA-Laterne. Nier konnte sich auf dem internationalen Markt wieder etablieren. Die Firma erreichte aber nie wieder die Größe der Beierfelder Zeit, da der Bedarf an Petroleum-Sturmlaternen allgemein rückläufig war. Die Hochzeit der Sturmlaterne war vorbei.

1958 In der Firma ist man sich nicht einig über die Herstellung von Kunststoffleuchten für Straßenbaustellen.

1989 Hermann Nier KG erloschen durch Umwandlung  in Hermann Nier GmbH, Angehörige der Familie Nier scheiden aus der Firma aus.

1991 RECO Im- Export GmbH gegründet, Exklusiv-Vertriebsrecht der Feuerhand-Laterne.

1992 – 2002  die ehemaligen Nier-FEUERHAND und NIRONA Fabrikgebäude von 1914 sind in der Bausubstanz noch erhalten und werden in Beierfeld als Gewerbepark genutzt. Abriss der beiden großen Schornsteine und der Zinnerei. Verbindungsweg zwischen Nord- und Südeinfahrt fortan "Strasse an der Sturmlaterne".

2002 100 Jahre Feuerhand Laternen. RECO und die Nier-GmbH exportieren und produzieren als einziges Modell  die Nr.276

2003 26. Aug. Gründung bzw. Umwandlung der Laternenfabrikation in die  “Feuerhand GmbH i. G. Spezialfabrik für Sturmlaternen"

2005 23. Dez. Hermann Nier GmbH erloschen.

2012 Feuerhand GmbH insolvent

2014 RECO handelt nicht mehr mit FEUERHAND Laternen.

2014/15 Alle Rechte an der Wort- und Bildmarke "Feuerhand"  wurden von der eigens 2014 gegründeten "Merkur Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft
        mbH, Magdeburg", Geschäftsführer Jonas Taureck (Pelam),  der "Müller & Co. Technische Dienstleistungen UG, Groß Sarau" abgekauft.

2015 Vertrieb  der Feuerhand 276 Baby Special in Deutschland durch die Firma Pelam, Jonas Taureck.

 

 

Feuerhand Sturm-Laternen - Produkt-Entwicklung (Alle Datierungen beruhen auf eigenen Fundstücken, empirischen Auswertungen von nachweisbaren Patenten, Handelsmarken, Prospekten, Firmenschriftverkehr, Gesprächen mit Zeitzeugen u. Nachfahren der Firmenbesitzer)

 

1895 Mischluft-Sturmlaterne „Kaiser“ in Löt-Technik von Albert Frank: Handelsmarke "Kaiser", Deutsches Reichs-Gebrauchs-Muster DRGM 6836

1902 moderne Laternenherstellung, Vermeidung der  Handlötung, hauptsächlich  Stanz- und Falz-Technik

1905 Mischluft-Sturmlaterne „Regent“ von  Albert Frank, Handelsmarke "Regent"  DRGM 75722

1906 D.R.P. 194290 "Hebevorrichtung für das Schutzglas von Sturmlaternen, bei der Kröpfungen oder Ausbiegungen die Feststellung der Schutzglocke sichern"

1906/7 Ernst Bruno Nier (2. Generation) entwickelt als Ing.-Student in Dresden den Prototyp der späteren Nr.201, der zunächst mit Schildkröte-Emblem verkauft wird (Markenzeichen vermutlich eine Anlehnung an die "Panzer" Laternen von Kaestner & Toebelman)

1909 Einführung des Elektro-Stumpf-Schweissverfahrens (Punkt-Schweissen)

1911 Einführung der serienmäßigen Tauchverzinnung (Feuerverzinnung)

1911 Sturmlaternen werden mit Handelsnamen gekennzeichnet: „PUCCA“, „ THE OURBAR LANTERN“, "Sunstar".

1911 Handelsmarke Emblem Schildkröte im Kreis eingetragen

         Mischluftlaterne mit Schildkröte-Emblem wie spätere Nr. 201/202 aber mit Glasheber nach D.R.P. 194290 von 1906, Prototyp der Nr.201.

         Erste geätzte bauchige Gläser mit und ohne Feuerhandlogo "Best Fireproof Made in Germany"

1912 Werbeblatt „Meine Freude – Abnehmbare Brennerkammer“, „Wegetrost“, Petroleumkocher „The Conquerorbis ca. 1932

1914 Handelsmarke „Feuerhand“ für alle Produkte der Firma

1916  Stahlhelme M16  und Handgranaten

1919 verbesserte Herstellungstechniken des horizontalen Glasschutzes

1920 rundes  Feuerhand-Emblem im glatten Kreis

1921 Laternen  mit geprägten Nummern

1921 Einführung der Frischluftlaterne Nr. 252. Die Laterne ist eine Kopie der  Dietz "Junior" , welche von der US-Firma Dietz eines deutschen Einwanderersprösslings  bereits seit ca. 1898 hergestellt wurde, aber nicht patentiert war.

1921 Einführung der Mischluftlaternen-Serie Nr. 205, 223 und 227 mit Ringheber bzw. Kurbelheber, die später in die modernere Serie 305, 323 und 327 überging.

1925 Die relative kleine Frischluft-Laterne Nr. 270 mit 7 Linien, 16 mm,  Brenner eingeführt.

1926 BABY Laternen-Typ mit Wind-Reflektorring am Glasträger patentiert in Deutschland und den USA

1927 Einführung der Mischluftlaternen Nr. 305, 323 und 327

1928  Spezialmodell Nr.999 (Typ Nr.257, verbesserte Kopie der alten Dietz "Monarch" von 1913) mit chinesischen Schriftzeichen,  von rechts nach links zu lesen "Mei  Tsui   Shih" ( Schön sehr  Zeit)  für den Exporteur Melchers & Co, Bremen, im Anklang an den Firmennamen. Nummern mit wiederholten Ziffern gelten in China als Glückzahlen.

1929 Warenzeichen Feuerhand im Strahlenkreis

1932  Patent für Essensträger, emailliert und blank aus Aluminium, Entwicklung der neuen kleinen "Baby-Frischluftlaternen", erstes Modell Laterne Nr. 275

1933/34 Einführung der bis heute bekannten Serie kleiner Sturm-Laternen - „BABY-Serie“ – mit dünnen feuerfesten JENAer Gläsern von
 Schott & Genossen (Bor-Silikat-Glas), "India Design Nr. 58162 Registered" (Über die Herkunft des India Designs: In Indien wurden die Sturmlaternengläser von vielen Glasfabriken kopiert. Nier ließ sich seine Gläser in Indien patentieren bzw. schützen, da der Verkauf von originalen Ersatzgläsern für die Sturmlaternenhersteller ein sehr einträgliches Geschäft war.) 
 Nr. 175 "Superbaby", Nr. 275, Nr.276, Nr.  277 mit 10 Linien, 25 mm Brenner, Nr. 375 mit verschiedenen Halterungen und Glasblenden,
 

                   extra verlötete Spezial-Laternen mit Wagen-. Boots- und Kumt-Halterungen. Die Laternen der „BABY-Serie“ waren kurz nach der Einführung bald ein internationaler Marktrenner mit hohen Umsatzzahlen. Nicht so in Deutschland: Hier bevorzugte man die traditionellen Mischluftlaternen. 

1933  Bruno Nier veranlasst die Konstruktion einer  Laterne Nr. 255. Sie entspricht der Nr. 275 nur mit längerem Glas. Die Laterne Nr. 255 ist ein Prototyp, der nie in die Serienproduktion ging. Nachgewiesen durch eine Aktennotiz von Bruno Nier vom 28.12. 1933.

1934 Dietz in den USA  bringt eine etwas vergrößerte Kopie der FH Nr.175 als Dietz No. 50 "Comet" auf den Markt. Sie entspricht etwa der FH Nr. 225, hat aber einen 5-Linienbrenner wie die FH Nr. 275. Die Laterne wurde anfänglich nur für den Export hergestellt (hauptsächlich nach Asien).  Das führte ab 1935 zu ständigen Patentstreitigkeiten zwischen Nier und Dietz, der sich über das Jahr 1939 hinzog. Wegen der folgenden  Wirren und Umbrüche des 2. Weltkriegs wurde das Verfahren nie endgültig geklärt und hatte nach der Freigabe aller deutschen Patente durch die Siegermächte 1945 und die Auflösung der deutschen Staatsordnung jeglichen Rechtsanspruch verloren. Bemerkenswert ist, dass die Dietz No. 50 "Comet" in der US-Preisliste erst ab 1950 geführt wird.

1935 Fahrradlaterne Nr.175F schwarz lackiert mit Halterung, blaue Gläser für Luftschutz

1936  Nr.75 „Atom“, Sportlaterne "Atom" im gewachsten Leinensack

1937  Nr. 225  "Medium", Öl-dichter Brenner (OELAB = Oel-Absperrung),

1938  NR. 235, verbesserter Brenner, große "Preisliste Nr. 296", unabhängiges Schlusslicht US235, später US176. Laternen mit farbigen Gläsern werden in England und Kanada als „Party-Lights“ angeboten,  Nr. 75 MsKo Marsch-Sicherungslaterne für Koppel (Gürtel) und Nr. 175 MS Handhalterung.         

1939  Patentierung der Sturmkappe und eines verschiebbaren Abblendschirms (siehe Nr.176 LU) , Einheitslaterne Nr.176E mit 5mm Docht zwecks Brennstoffersparnis. Glasheberkonstruktion ohne Rastblech wie bei der Nr.176 Einheitslaterne und bei dem letzten ‚Atom’ Modell Nr.75Stk (wird Standard der Nachkriegs-Serien ab  1950).

1940 Verdunklungs-Luftschutz-Blendlaterne Nr.176Lu. Herstellung von Verdunklungsgläsern (blau, braun-rot, schwarz sowie beschichtet in versch. Farbkombinationen) für alle ab 1934 produzierten Laternentypen, Blenden für die Atom Nr.75, letztes Atom-Modell mit Sturmkappe

1941 Fahrrad-Laternen Nr.75FS „Atom“ Fahrrad-Schlusslicht

1941 Rüstungsproduktion bis Kriegsende, Nier hatte den Ordonanzcode "fcc". Beispiel:  Anlass-Kraftstoffbehälter, Gasmaskenfilter.

1943 eingeschränkte  Laternenproduktion, nur noch Teileverkauf, z.B. Laternenrahmen als Aufsätze für Karbid-Lampen.

1945 Blau beschichtetes Atom-Glas nachweisbar (im Besitz des Bürgermeisters von Beierfeld, Sa.)

1945 bis 1948 sehr wahrscheinlich keine Laternenproduktion in den Nier-Werken, Beierfeld.  

1949 Western Germany: Die Nier-Familie wohnt kurzfristig in Lüdenscheidt. In diese Zeit fällt ein Gesellschaftsvertrag von 1949 mit der Firma Mechanische Werkstätten Lola GmbH, Hohenlockstedt. Entwicklung der  neuen,  überarbeiteten Baby-Laternen (Glasheber links). Herstellung der Stanzwerkzeuge zuerst für die Laterne Nr. 275 "Atom".

1950 Beginn der Produktion in Hohenlockstedt (Lockstedter Lager) mit Einführung der überarbeiteten, modernen Baby-Serie  Nr. 275 „Atom“, Nr 276 "Atom Special". Kurzzeitige Herstellung einer modernisierten Nr.252. Kurzeitig noch rote und grüne  durchgefärbte Gläser der Firme AUER, Bad Gandersheim, dann nur noch farbig beschichtete Gläser - erst Auer-Glas (10-Jahres-Vertrag 1949 bis 1960), danach bis heute Schott Mainz

ab 1954      Modelle Nr. 175 "Super Baby", 176 "Super Baby Special", 252, 275 "Baby", 276 "Baby Special" mit u. ohne Sturmkappe, kurzfristig Fahrrad-Laternen, Öl-abdichtender Brenner (OLAB), Nr. 276 Großtank 70 und 120 Stunden (for celebration days)

1955 verbesserte, aufwändige Abluftführung bei den Kaltluftmodellen mit der Bezeichnung  „Sturmfest“, ca. 6 Jahre in Produktion.
Diesel-Warnfackel und Warndreieck, Blechschild in Siebdruck für Tages-Abreißkalender, zeigt modische junge Dame mit Nr.275 aus dem Katalog von 1955. Benzinfeuerzeug als Werbegeschenk.

1958 Entwicklung elektrischer Verkehrswarnleuchten und einer Kerzen-Laterne; die Vorlage dafür war das unabhängige Schlusslicht von 1938

1970 im September letzter Nachweis einer  120-Stundenlaterne Nr.276 Stk 120 Sturmkappe

1976 Dietz bringt eine Kopie der FH Nr. 275 auf den Markt: Dietz No.76 "The Original"

1979 Einstellung der Produktion gelb lackierter Baustellenlaternen Nr.276 Stk 70 Sturmkappe

1981 Letzter großer Exportauftrag  für die US-Firma ‚Lamplight Farmsfür eine Nr.275 mit geprägter Füllschraube ‚Lamplight Farms’.

2000 Nr.276 Millennium Titan

2002  geprägte (2 Varianten) Sonderausgabe der Nr.276 in deutschen Farben.

2005/2006  vergoldete, vermessingte und vernickelte Nr.276. Produktion der verzinnten FH Nr. 276  bis 2012

2007 Herstellung der Nr. 276 geprägt "800 Jahre Beierfeld"

2008 "800 Jahre Beierfeld".  Die Begründer des jährlichen Feuerhand Laternen Symposiums besichtigen die alten Produktionsstätten und ehemaligen Nier-Besitzungen. 

2010 Ausstellung "Feuerhand Sturmlaternen im Wandel der Zeit" in Hohenlockstedt.

2012 galvanized (zinc coated) lantern Nr. 276 'Baby Special' 'Eternity

2012/2013 fire tinning was abandoned. The production was reorganized and the product design was altered by using galvanized steel sheet.

2014 The tm "Feuerhand" was bought by another distributor / dealer.

2015 Production of the "Feuerhand Eternity" Baby Nr. 276 in different colors (galvanized and additionally powder coated).

 

 

 

 Von 1902 bis 1921 stellte Nier verschiedene nicht nummerierte Mischluftlaternen her, ohne oder unter anderen Warenzeichen.  Produziert wurde auch für Großhändler unter deren Markennamen. Die "Kaiser-Laterne" "Royale" und die "Regent" wurden bei der "Frankonia" hergestellt, wo Hermann Nier bis 1902 als Produktionsleiter beschäftigt war. Die Gebrauchsmuster bzw. Markennamen wurden für A. Frank eingetragen. Alle diese Laternen sind entweder nur durch die DRGM-Nummer, die Handelsmarken der Grosshändler oder durch die Namensprägung zu bestimmen.  Laternen mit dem Schildkröte Emblem wurden von Nier hergestellt.  

 

Bisher bekannte FEUERHAND Petroleum Sturm-Laternen mit geprägter Typ-Nummer ab 1921.

(Jahresangaben entspr. Katalog-Angaben)

 Typ

Nr. Laterne

''' Docht

(Linien)

Glasheber

Glas-Schutz

Jahr

Brenndauer in Std.

 Frischluft

75

1,5

Seitlich

Kreuz

1936

12

 

175

3,0

Seitlich

Kreuz

1934

12

Einheitslaterne, Luftschutzlaterne und Nachkriegstyp

176

1,5 ab 1951 3,0

Seitlich

Kreuz

1940

24

 

225

3,0

Seitlich

Kreuz

1937

15

 

235

3,0

Seitlich

Kreuz

1938

24

 s. Bemerkung

251 7,0 Ring/Griff  Pat. Nr.256845 von 1911  1921(?) 32
 auch als tm "Cœur"

252

7,0

Seitlich

Kreuz

1921

15

Öl (Diesel?) Laterne

253

7,0

Seitlich

Kreuz

1931

15

wie 275, hohes Glas, Prototyp ging nie Produktion 255 ? Seitlich Kreuz 1933 ?

 

260

10,0

Seitlich

Kreuz

1925

20

 

262

10,0

Seitlich

Kreuz

1931

20

 

270

7,0

Seitlich

Kreuz

1925

26

 auch als tm "Cœur"

271a

7,0

Seitlich

Kreuz & Horizontal

1931

32

 

272

7,0

Seitlich

Kreuz

1931

72

 

275

5,0

Seitlich

Kreuz

1934

14

 

276

5,0

Seitlich

Kreuz

1934

17

 

277

10,0

Seitlich

Kreuz

1934

16

 

280

10,0

Seitlich

Kreuz

1931

24

 

282

10,0

Seitlich

Kreuz

1931

45

 

375

7,0

Seitlich

Kreuz

1934

12

 Mischluft 

 

 

201

7,0

Ring

Horizontal

1924

32

Benzin-Laterne 201Gl   Ring Horizontal 1931 ?

 

202

5,0

Ring

Horizontal

1926

20

 s. Bemerkung

205 7,0 Ring Horizontal 1921? ?

 

223

7,0

Kurbel

Horizontal

1921

20

 

227

7,0

Kurbel

Kreuz

1921

20

 

257

7,0

Seitlich

Kreuz

1921

25

 *

305

7,0

Ring*

Horizontal

1927

25

 

323

7,0

Kurbel

Horizontal

1927

25

 

327

7,0

Kurbel

Kreuz

1927

25

 

405

5,0

Ring

Horizontal

1927

18

 

423

5,0

Kurbel

Horizontal

1927

18

 

427

5,0

Kurbel

Kreuz

1927

18

 

999

7,0

Seitlich

Kreuz

1928

25

Total 34 Models

 

Bemerkung zur No.205 und No.251:  Bisher sind nur je ein Exemplar dieser Laternen bekannt. Das Modell 205 wurde auf dem 1. Sturmlaternen-Symposium am 5.Mai 2005 in Tübingen eindeutig als Feuerhand-Laterne von ca. 1920 bestimmt. Nummerierung und andere technische Details sind Belege für ein  Nier-Produkt. Die Nr.251 ist der Vorläufer der Nr.252 und wurde in gleicher Bauart als "Cœur"-Laterne hergestellt.

* für den deutschen Markt wurden ab ca. 1935 die Mischluft-Laternentypen Nr.323, 327 und Nr.423, 427 nicht mehr angeboten. Es tauchen allerdings noch Modelle Nr.323 ohne Kurbelheber, dafür mit Ringheber auf. Vermutlich wurden Lagerbestände bereits geprägter Tanks aufgebraucht.  Diese Modellvarianten wurden bald aus dem Programm genommen, da sie beleuchtungstechnisch keinen Vorteil boten und dem Grundmodell Nr.305 entsprachen. Das Nier Patent für den Kurbelheber wurde 1902 erteilt und 1906 wieder gelöscht. 1913 wurde es der Firma Nier (D.R.P. 271690) nach Klärung der Urheberrechte erneut erteilt.

 

Nach 1945 wurden keine neuen Laternen-Grundtypen mehr entwickelt, abgesehen von der

 

Technische Detailveränderungen betreffen den Brenner und Glasheber, die Frischluftzirkulation am Kamin und verbesserte Herstellungsverfahren. Seit den 70 Jahren ist als einziges Modell noch die Nr.276 in Produktion, die auf einem Patent von 1926 beruht, welches durch empirische Forschung entwickelt wurde. Trotz gelegentlichen Qualitätsschwankungen im Vergleich zur Produktion vor 1970 infolge extensiver Werkzeugnutzung bleibt die ‚Baby Special’ auf Grund ihres gelungenen Entwurfs und ihrer präzisen physikalisch-technischen Dimensionierung eine Petroleum-Sturmlaterne höchster Qualität. Als robuster Gebrauchs-Beleuchtungskörper wird sie immer noch benutzt, wo Elektrizität nicht verfügbar ist.

 

 

Erklärung der Typ-Nummerierung der Laternen

© Detlef Bunk

Die Mischluft- und Kaltluft-Sturmlaterne wurde 1870 in den USA von John H. Irwin  erfunden und patentiert. Bei allen Herstellern wurden Sturmlaternen sowohl mit Nummern und/oder mit Namen gekennzeichnet.  Die Nummerierung entstand  aus den Typen- und Katalognummern. Bei Nier-Feuerhand wurde die  Nummernprägung der Laternen erst nach Ende des 1. Weltkriegs ca. 1921 eingeführt.

Wie in der Industrieproduktion üblich verwendet man zur Kennzeichnung von Typen und Merkmalen Nummernbänder. Die Vergabe nicht fortlaufender meist ungerader Ziffern an zweiter und dritter Stelle ermöglichte die Kennzeichnung von Grundtypen, Zwischentypen und Weiterentwicklungen. Die dreistellige Laternen-Nummer ist demnach keine fortlaufende Modell-Nummer, sondern als 3-stellige Kombination von Merkmals- (Typisierungs-) Ziffern zu verstehen. Eine besondere Systematik ist  innerhalb einer Laternenreihe nicht durchgängig  erkennbar (z. B. bei den Kaltluft-Laternen). Man vergab Zwischen-Nummern, die womöglich psychologisch der Laternengröße entsprachen: z.B. waren die FH225 und FH235 bezüglich der Größe zwischen der FH175 und FH275/6 angeordnet, was ja auch dann der Nummerierung entsprach. Die FH75 Atom könnte als FH075 verstanden werden, weil sie kleiner als die FH175 ist.  

 

 

Farbige FEUERHAND Gläser bis 1945: Bekannte Referenzstücke im Jahre 2015

in den Sammlungen Bunk u. Wekenmann

 

Nach Katalogangaben waren farbige Gläser in alle Größen erhältlich.

Tief-braun rote, tief blaue und geschwärzte durchgefärbte Gläser wurden in Folge der Verdunkelungsverordnungen ab 1939 hergestellt. Helle Gläser wurden von den Jenaer Glaswerken auch verschiedenfarbig beschichtet. Es gibt Hinweise aus Firmenunterlagen über dreifarbig beschichtete Gläser und Gläser mit segmentierten Sonderbeschichtungen (z. B. grau geschlitzt). Bekannt sind des Weiteren halb eingefärbte Gläser (hell - rot) in Überfang-Technik.

 

Rot

Dunkelrot

Grün

Blau

Bernstein

rot-orange*

Hell gefrostet

Schwarz

Milchweiß

Nr. Laterne

X

 X

X

X

X (Bernstein-gefrostet)

X

X

 

75

X

X

X

X

X

 

X

 

175

X

X

X

X

 

X

 

176

X zylindrisch u. bauchig

 

 

X

 

 

X

 

 

176 Lu*

X

 

 X

X

 

 

 

 

225

 

 

X

X

 

 

 

 

235

 

 

 

X

 

 

 

252

 

 

 

 

 

 

 

 

253

X

 

 

X 

 

 

 

 

260

 

 

 

 

 

 

 

 

262

 X

 

X

X 

 

 

 

X

270

 

 

 

 

 

 

 

 

271

 

 

 

 

 

 

 

 

272

X

 

X

 X 

 

 

 

 

275

X

 

X

X 

 

 

 

 

276

 

 

X

 X

 

 

 

X

277

X

 

 

 X

 

 

 

 

280

 

 

 

 

 

 

 

 

282

 X  

 

 

 X

 

 

 

 

375

 

 

 

 

 

 

 

 

 

X

X 

 X

X

X

 

X

 

201

X Überfangtechnik

 

 

 

 

 

 

 

202

 

 

 

 

 

 

 

 

223

 

 

 

 

 

 

 

 

227

 

 

 

 

 

 

 

 

257

 X

 

 X

X

 X

 

X

 

305

 X Nr.453

 

 

 

 

 

 

 

323

 X Nr.453

 

 

 

 

 

 

 

327

 X

 

  X

X

 

 

X 

 

405

 

 

 

 

 

 

 

 

423

 

 

 

 

 

 

 

 

427

*Bernsteinfarbige und rot-orangene Gläser aus der Zeit vor 1945 sind merkwürdigerweise bisher ganz wenige  aufgetaucht.

            Katalognachweise über verschiedenfarbige Gläser für die FH 176 "Luftschutz" sind bisher nicht bekannt.

 

 

 

Gläsertypen um 1928 mit Waren-Nummer, Abmessungen und zugehörigen Laternen. Der Glastyp Nr. 451 wurde noch bis 1945 hergestellt, Glas Nr. 470 und 480 mit zwei seitlichen Haltenocken (loc-nob) für der US-Markt.

 

 

JENAer Gläser ab 1934 aus dem ersten "Baby" Katalog "Die neuen kleinen Sturmlaternen". Der Glastyp Nr.1375 wurde nur kurzzeitig hergestellt. In der Abbildung fehlt bei dem Glas Nr.470 noch der Hinweis auf die später hergestellte Laterne Nr.277.  Der Glastyp Nr.1275 wird bis heute produziert, allerdings in deutlich anderer Form.

 

Farbig beschichtete FEUERHAND Gläser ab 1950: Bekannte Referenzstücke im Jahre 2015.

Auer-Gläser der frühen 50er Jahre bestanden aus durchgefärbtem  Auer P40 Glas, was dem  "JENAer Glas" entspricht. Milchweiße Gläser sind stets beschichtet.  2008 sind transparent grün, blau und gelb beschichtete zylindrische Suprax-Gläser der aktuellen Bauform aufgetaucht. Es ist noch nicht geklärt, ob es sich hier um Sonderserien einzelner Auftraggeber oder Versuchsmodelle handelt, oder ob diese einzeln angefertigt wurden. Blaue Gläser waren ab der Neugründung der Nier Feuerhand- Fabrik in Hohenlockstedt im Jahr  1950 nicht mehr im Lieferprogramm.

 

Glasfarben ab 1950

 

Rot

Gelb

Grün

Milch-weiss

Nr.Laterne

X

X

X

X

175

X

X

X

X

176

 

 

 

 

252

X

X

 X

 X

275

X

X

  X 

 X

276

 

 

Alle Jahresangaben sind aus Originalprospekten und weiterem heimatkundlichen Schrifttum entnommen. Sie müssen  nicht den Tatsachen entsprechen.

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